Geschichte

Zur Geschichte des St. Rochus Schützenvereins Lütringhausen

Verzeichnis der 1. Vorsitzenden seit der Gründung des Vereins

1904 – 1906       
1907 – 1912      
1913 – 1927       
1928 – 1931      
1932 – 1937   
1938 – 1948  
1949 – 1950   
1951 – 1960   
1961 – 1969     
1970 – 1990
1991 – 2005
2006 – 2017

2018 –

Gottfried Melcher
Anton Hahn
Fritz Siepmann
Josef Bender
Fritz Siepmann
Josef Schneider
Peter Neuhaus
Werner Feldmann
Ferdi Halbe
Willy Weber
Siegfried Müller
Stefan Weber

Marc Joseph

Im Jahre 1904 kam der passionierte Jäger Gottfried Melcher, alteingesessener Lütringhauser, um dem Schiesssport noch mehr huldigen zu können, auf den Gedanken, einen Schiessverein ins Leben zu rufen. Weitere Interessenten waren bald gefunden, so das sich im April 1904 folgende Lütringhauser in der Gaststätte Dobbener im Dohm trafen:

Gottfried Melcher, Hanni Hahn, Kurtschenkel, Willi Frerkes (Stachelau), Jakob Schmidt, Anton Hahn, Peter Schlimm, Lehrer Beilenhoff, Franz Sondermann und Philipp Sondermann.

Man war von dem Vorschlag Gottfried Melchers begeistert; die Gründung des Schiessvereins kam zustande. Aus der oben genannten Gründungsgruppe wurde ein erster Vorstand gewählt. Über die Gründungsversammlung existiert keine Niederschrift. Es kann aber mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass Gottfried Melcher zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde.

Zu dem neuen Verein gesellten sich bald weitere schießfreudige Interessenten. Man begann, in Selbsthilfe in einer Felsenschlucht nahe des Dorfes einen Schiessstand zu errichten. Schon bald konnte mit den Schiessübungen begonnen werden. Zum Schiessmeister wurde Philipp Sondermann bestellt. Bei den nun häufiger durchgeführten Schiessen, zu denen Gottfried Melcher die Patronen selbst fertigte, gab jeder Schütze vor seinem Schuss einen Groschen in die Kasse. Nach Beendigung des Schiessens wurde dem jeweiligen besten Schützen ein Teil des zusammen gekommen Geldes überreicht. Es wurden mehrere Schiessübungen auf Ringscheiben durchgeführt.

sv-fest1911Im Jahre 1906 übernahm Anton Hahn den Vorsitz. Von den Überschussgeldern aus der Schiesskasse wurden innerhalb des Vereins gemütliche Feste veranstaltet. Dieses Treiben blieb bis zum Jahre 1912 weitgehend unverändert. Obwohl bei jedem Fest der beste Schütze der jeweiligen Schießperiode mit einem Sonderpreis bedacht und geehrt wurde, hatten die Feste der ersten Jahre einen besonderen Charakter, da man sich mehr innerhalb des Vereins zusammenfand. So wurde im Jahre 1912 Josef Burghaus der erste (Scheiben-)König des Vereins und nahm sich Frl. Anna Sondermann zur Königin. Nun wurden die Feste Jahr um Jahr gefeiert und erfuhren immer mehr Zulauf.

Im Jahre 1913 war Wilhelm Gummersbach Scheibenkönig und seine Ehefrau Königin.

Peter Schlimm errang im Jahre 1914 als bester Schütze mit der höchsten Ringzahl die Königswürde; ihm zur Seite stand als Königin seine Ehefrau. Im Abänderung der bisherigen Tradition wurde in diesem Jahr erstmals neben dem Scheibenkönig auch ein Vogel -allerdings von der Scheibe, in waagerechter Geschossbahn- geschossen. Auch hier tat Peter Schlimm den Meisterschuss und galt als anerkannter König, während man ihm für sein Scheiben-Schiessergebnis neben der Königswürde auch den 1. Preis, einen Regenschirm, zuerkannte. Bekannt ist von diesem Fest noch, dass Johann Hesse aus Olpe die Festwirtschaft inne hatte und die Musikkapelle Rhode zum Tanz aufspielte.

Wegen des 1. Weltkrieges fielen die Schützenfeste in den Jahren 1915 bis 1920 aus.

Im Jahre 1921 wird das Vereinsleben unter Vorsitz von Fritz Siepmann wieder aufgenommen; der Verein zählt 58 aktive Mitglieder. Um das Vereinsleben weiter zu fördern wurde daran gedacht, eine Vereinsfahne anzuschaffen. In Folge der Inflation waren große Schwierigkeiten zu überwinden; die aufzubringende Geldsumme ging in die Millionen. Immer wieder, wenn man glaubte, den Betrag für die Fahne zusammen zu haben, wies das Geld nicht mehr den erforderlichen Wert auf.. Größere Geldspenden wurden von Herrn Pastor Hermann Stahl, der in dieser Zeit zu einem Urlaub aus Amerika kommend in seiner Heimat verweilte und von den Eisenwerken Ruegenberg, Abt. Hammerwerk Lütringhausen, gemacht. Auch die Mitglieder hatten eifrig durch Spenden geholfen, so dass es im Jahre 1923 soweit war: Die Fahne konnte angeschafft werden. Statt eines Schützenfestes wurde in diesem Jahr ein Fahnenweihfest gefeiert, das durch ein Hochamt, zelebriert  von Herrn Pfarrer Stahl, eingeleitet wurde. Er nahm die kirchliche Weihe der Fahne vor und brachte in seiner Ansprachen zum Ausdruck, dass die Fahne das Symbol der Einigkeit, Zusammengehörigkeit und Liebe sein möge, um das sich alle scharen sollten.

sv-fest1923Das Fahnenweilfest war dazu angetan, dem Vereinsleben neuen Auftrieb zu geben. Die Mitgliederzahl stieg auf 94 an. Anlässlich der Fahnenweihe wurden Wille Ruegenberg, Walter Ruegenberg, Pfarrer Hermann Stahl, Pfarrer Peter Stahl und Hanni Hahn zu Ehrenmitgliedern ernannt.

1926 wurde wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage statt eines Schützenfestes nur ein Waldfest gefeiert. Hierzu muss lobend bemerkt werden, dass die Musikkapelle der Freiwilligen Bürgerwehr Olpe zu diesem Fest ohne jede Vergütung spielte. Aus dem Jahr 1926 stammt auch ein Degen, der von den Herrn Willi Gummersbach und Scheid gestiftet wurde. Diesen Degen trägt noch heute der jeweilige Major des St. Rochus Schützenvereins.

1928 legte der ersten Vorsitzende Fritz Siepmann seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen nieder. Zum neuen Vorsitzenden wurde Josef Bender gewählt. In diesem Jahr wurde dem Verein vom vorjährigen Schützenkönig Karl Hachenberg eine silberne Königskette gestiftet, an die er auch den ersten Orden heftete. Seit dieser Zeit stiftet der jeweilige König einen Silberorden für die Königskette, die schon bald stattlich geziert war. Noch heute trägt der König des St. Rochus Schützenvereins die von Karl Hachenberg gestiftete Kette.

Im Jahre 1929 wurde am 29. und 30.06. das 25-jährige Jubiläumsfest gefeiert. Die Königs- und die Kaiserwürde errang Herr Alois Schmidt, der sich Frl. Elisabeth Zeppenfeld zur Mitregentin erkor. Als Jubilare wurden die Mitglieder Gottfried Melcher, Anton Hahn, Hanni Hahn, Franz Sondermann und Jakob Schmidt für treue Mitgliedschaft ausgezeichnet. Am Jubiläumsfest nahmen auch die Schützenvereine aus Dahl, Sassmicke, Rüblinghausen, Altenkleusheim, Neuenkleusheim und Rehringhausen teil. Von den Lütringhauser Jungfrauen wurde eine Schleife gestiftet und an die Fahne angeheftet. In Einigkeit und echter Schützenkameradschaft verlief das Fest zur Freude aller.

Durch ein Zusammenlegungsverfahren der Genossenschaften wurde dem Verein ein Platz zur Durchführung seiner Feste in der Größe von ca. 2 Morgen als Eigenetum zugesprochen. Schon bald wurde auf dem neuen Schützenplatz oberhalb des Hammers am Kapellenberg eine Vogelstange mit stabilem Unterbau errichtet. 1932 wurde mit dem Ausbau und der Gestaltung des Platzes begonnen. Es waren enorme Arbeiten zu leisten. Dank des uneigennützigen Einsatzes der Vereinsmitglieder wurde der Platz in vielen Stunden Arbeit entwässert und hergerichtet. Eine Hecke wurde angelegt; Bäume wurden gepflanzt.

1934 wurde dem Schießsport wieder mehr Interesse gewidmet und öfters Scheibenschießen durchgeführt. Gottfried Melcher wurde zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt.

An dem im Jahre 1936 durchgeführten Bundesschießen beteiligten sich auch Mitglieder unseres Vereins und kamen mit zum Teil recht beachtlichen Erfolgen zurück. Unsere Schützen errangen unter anderem bei diesem Bundesschießen eine Wehrmannbüchse, die noch bis vor einigen Jahren zum Vogelschießen genutzt wurde (und heute aus rechtlichen Gründen nicht mehr hierfür genutzt werden darf). Vom Schützenbund wurde der langjährige Vorsitzende Fritz Siepmann die goldene Bundesnadel verliehen; gleichzeitig erhielt er vom Verein ein Ehrendiplom.

1938 wurde Josef Schneider sen. zum ersten Vorsitzenden gewählt. Als Vereinsmeisterschütze erhielt der langjährige Schützenhauptmann Ignatz Weber das Ehrendiplom des Jahres 1938.

Im Jahre 1939 fand das letzte Schützenfest vor dem 2. Weltkrieg statt; anschließend ruhte das Vereinsleben bis zum Jahre 1948.

Im Jahre 1948 wurde im Hinblick auf die neu geschaffenen rechtlichen Rahmenbedingungen für die ehemaligen Schützenvereine eine Versammlung zur Bildung eines Heimatschutzvereins oder einer Bruderschaft einberufen. In dieser Versammlung, die von Peter Neuhaus geleitet wurde, bekannte man sich zum Heimatschutzverein. Es wurde ein Vorstand gewählt und Peter Neuhaus übernahm das Amt des ersten Vorsitzenden. Das Vereinsleben bekam wieder neuen Geist. Es wurde geplant und gearbeitet, um wieder Schützenfest feiern zu können. Die während des Krieges von der Fa. Hoesch auf dem Schützenplatz errichtete Betonhalle wurde erworben und in Gemeinschaft mit dem Männergesangverein „Sangeslust“ Lütringhausen mit gleichen Rechten und Pflichten übernommen.

Noch im bescheidenen Rahmen wurde 1948 das erste Fest nach dem Kriege gestartet. Alte Traditionen wurden wieder aufgenommen, auch wenn zunächst einige Widerstände zu überwinden waren. So hatte die Militärregierung den Gebrauch von Schusswaffen zum Vogelschießen untersagt. Der Vogel des Jahres 1948 musste daher mit Steinen geworfen werden.

lut254schufe-schiessen-lg-kleinIn den folgenden Jahren wurde die Betonhalle in Eigenleistung umgebaut. Schützenbrüder und Sangesbrüder beteiligten sich uneigennützig und Hand in Hand am Umbau. Fritz Siepmann wurde wegen seiner Verdienste um den Schützenverein zum Ehrenmajor ernannt.

Im Jahre 1954 feierte der Heimatschutzverein Lütringhausen sein 50jähriges Bestehen. Durch den stetigen Zuwachs an Mitgliedern war die Schützenhalle zum Feiern mittlerweile nicht mehr ausreichend. Josef Melcher stellte daraufhin eine Wiese im Dorf zur Verfügung. So wurde das Jubelfest am 26., 27. und 28. Juni 1954 dort gefeiert. Die Königswürde errang Reinhard Hachenberg, der Lydia Alfes zu seiner Königin erkor. Den Kaisertitel erkämpfte sich Alois Zeppenfeld aus Oberveischede, Kaiserin wurde seine Ehefrau Clara. Trotz wolkenbruchartiger Regenfälle am Schützenfestsamstag war die Stimmung gut.

In der Generalversammlung am 13.11.1954 gab sich der Vereine eine neue Satzung und änderte gleichzeitig den Vereinsnamen in St. Rochus Schützenverein Lütringhausen e.V. Erstmalig konnte in den Aufenthaltsräumen der Fa. Gustav Imhäuser am 30.01.1955 ein Schützenball gefeiert werden. Im Frühjahr 1955 verkaufte der Schützenverein sein bisheriges Grundstück mit aufstehender Halle an Franz-Josef Arens und erwarb von Josef Schneider sen. ein neues Gelände an der Schulstrasse in der Größe von 3805 m². Durch Arbeitseinsätze aller Schützenbrüder konnte der neue Schützenplatz bis zum Schützenfest 1955 fertig gestellt werden. Die Vogelstange wurde nicht auf dem neuen Schützenplatz, sondern unter der Rhonard (heute Zinnoberweg) neu errichtet. In dieser bewegten Zeit hat sich insbesondere der damalige erste Vorsitzende Werner Feldmann um den Verein verdient gemacht. Im Jahre 1958 feierten die Kinder am Schützenfestmontag erstmals Ihr Schützenfest, das sich bis heute bei jung und alt größter Beliebtheit erfreut. Erster Kinderschützenkönig wurde Wolfgang Werner.

Im Januar 1961 wählte die Generalversammlung den bisherigen zweiten Vorsitzenden und Hauptmann Ferdi Halbe zum 1. Vorsitzenden. Unter seiner Führung wurde im Jahre 1962 das Ehrenmal an der Hardt errichtet und am 18.11.1962 durch Herrn Pastor Wurm aus Olpe eingeweiht. Die Festansprache hielt Oberamtsrichter Kreikmann aus Olpe. Die künstlerische Gestaltung hatte die Bildhauerin Anneliese Schmidt übernommen. Im Jahre 1965 wurde auf dem Schützenplatz ein Gebäude mit ca. 70 m² Grundfläche errichtet. Hier gab es die Möglichkeit, den Schießsport neu zu beleben. Zugleich diente (und dient) ein Teil dieses „Casinos“ als Kassenhäuschen.

Durch Auflagen seitens der Kreispolizeibehörde wurde das Vogelschießen „von der hohen Stange“, also ohne Vorrichtungen, die die Projektile hinter dem Vogel abfingen, verboten.  Der Schützenverein Lütringhausen war daher -wie auch alle anderen Schützenvereine- gezwungen, eine Vogelschießanlage mit Kugelfang zu bauen. Die hohen Anschaffungskosten einer solchen Anlage führten schließlich dazu, dass sich eine Interessengemeinschaft der Schützenvereine aus Dahl/Friedrichsthal, Lütringhausen, Rüblinghausen, Sassmicke und Thieringhausen gründete, die sich gemeinsam eine fahrbare Vogelschießanlage anschafften, um die Auflagen der Kreispolizeibehörde zu erfüllen. Die gemeinsame Anlage förderte die Gemeinschaft und Kameradschaft der fünf Vereine sehr, man traf sich zweimal jährlich zum Gedankenaustausch und bald auch zum jährlichen gemütlichen Beisammensein. Die gemeinsame Schießanlage ist mittlerweile längst verschrottet; jeder Verein hat seine eigene feste Schießanlage; die Gemeinschaft der fünf Schützenvereine besteht aber weiterhin und wird von allen Beteiligten mit Begeisterung gepflegt.

In der Generalversammlung am 03.01.1970 trat Ferdi Halbe aus gesundheitlichen Gründen zurück. Sein Amt als erster Vorsitzender und Major übernahm der bisherige zweite Vorsitzende und Hauptmann Willy Weber; Ferdi Halbe wurde zum Ehrenmajor ernannt.

Im Januar 1971 wurde der Tradition der Förderung des Schießsportes folgend, eine Sportschützenabteilung gegründet, die Zunächst aus 7 Schützen und 3 Jungschützen bestand. Die Zahl der Mitglieder der Sportschützenabteilung stieg schnell, so dass das Casino mit seinen 4 Schießständen und einem winzigen Aufenthaltsraum schnell zu klein wurde. Die Raumnot war auch durch An- oder Umbaumaßnahmen nicht zu lindern. In einer außerordentlichen Generalversammlung am 20.11 1974 wurde daher einstimmig der Beschluss gefasst, einen Teil des Schützenplatzes (zum Luciaweg hin) der Kath. Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt zum Bau eines Jugendheimes kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das Gebäude wurde in knapp 1 1/2-jähriger Bauzeit errichtet und am 01.12.1978 in einer Feierstunde durch den Prälat (und ehemaligen Offizier des St. Rochus Schützenvereins) Franz Hochstein eingeweiht und als St. Rochus-Heim seiner Bestimmung übergeben. In den Kellerräumen ist eine Schießsportanlage für Luftdruckwaffen mit 8 Schießbahnen sowie Aufenthaltsräumen untergebracht. Die mittlerweile 50 Sportschützen (darunter 35 Jugendliche) fanden hier optimale Trainings- und Wettkampfbedingungen. Die Sportschützenabteilung des St. Rochus Schützenvereins, die heute unter dem Namen St. Rochus Sportschützen auftritt, geniesst im Kreis Olpe und weit darüber hinaus einen gutn Ruf. Zahlreiche Schützen haben bereits an Deutschen und internationalen Meisterschaften Teilgenommen; eine Luftpistolen-Mannschaft schoss einige Jahre in der Bundesliga.